Surströmming Guide: Was es ist, warum Schweden es liebt, und wie du es richtig isst, ohne Drama 🐟🍞
Surströmming ist für viele der Inbegriff von entweder Liebe oder Flucht. Kaum ein Lebensmittel polarisiert so stark wie dieser fermentierte Hering aus Schweden, der traditionell vor allem im Norden des Landes hergestellt wird. Schon beim Öffnen der Dose entfaltet sich ein Geruch, der weltweit berühmt und berüchtigt ist. Viele vergleichen ihn mit faulen Eiern, altem Fisch und Meer zugleich. Genau dieser Moment entscheidet oft, ob jemand neugierig bleibt oder instinktiv Abstand nimmt.

Doch Surströmming ist mehr als nur eine Mutprobe. Hinter dem intensiven Aroma steckt eine jahrhundertealte Konservierungsmethode, bei der der Hering kontrolliert gärt und dabei ganz eigene Geschmacksnoten entwickelt. Isst du ihn pur, kann das schnell überwältigend wirken. Kombiniert mit klassischen Beilagen zeigt sich jedoch eine ganz andere Seite. Dünnes Fladenbrot, gekochte Kartoffeln, Zwiebeln und Sauerrahm balancieren Salz, Säure und Umami aus und machen den Fisch deutlich zugänglicher.

Der Geschmack wird dann oft als überraschend tief und vielschichtig beschrieben. Er ist salzig, leicht säuerlich und maritim, aber nicht so aggressiv, wie der Geruch vermuten lässt. Genau hier liegt der Unterschied zwischen Schockmoment und Genuss. Wer Surströmming so isst, wie er gedacht ist, versteht, warum er für viele Schweden bis heute ein fester Teil der Esskultur ist und warum manche ihn sogar als echte nordische Spezialität feiern.
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🥄 Was ist Surströmming eigentlich
Surströmming ist leicht gesalzener fermentierter Ostsee Hering. In Schweden wird der kleinere Hering aus der Ostsee „strömming“ genannt, was ihn vom größeren Atlantikhering unterscheidet. Das Wort „sur“ bedeutet sauer. Zusammengenommen heißt Surströmming also ganz wörtlich „saurer Hering“. Der Name beschreibt ziemlich genau, was einen erwartet, ohne dabei die ganze Geschichte zu erzählen.
Bei der Herstellung wird bewusst nur sehr wenig Salz verwendet. Gerade so viel, dass der Fisch nicht verdirbt, aber dennoch fermentieren kann. Genau dieses Gleichgewicht ist entscheidend. Zu viel Salz würde die Gärung stoppen, zu wenig würde den Fisch ungenießbar machen. Die Fermentation läuft kontrolliert ab und wird über Wochen und Monate überwacht.
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Besonders ist, dass der Prozess nicht endet, wenn der Fisch in die Dose kommt. Die Gärung setzt sich fort, auch während Lagerung und Transport. Dabei entstehen Gase, die den typischen Druck in der Dose verursachen. Deshalb wirken viele Dosen sichtbar aufgebläht oder „auf Spannung“. Das ist kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass der Surströmming lebt und reift. Genau das macht ihn so einzigartig und zugleich so berüchtigt.
📜 Woher kommt diese Tradition
Surströmming ist in Schweden seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Sein Ursprung wird häufig in einer Zeit verortet, in der Salz teuer und knapp war. Fischer und Händler mussten Wege finden, Fisch haltbar zu machen, ohne große Mengen Salz zu verwenden. Genau aus diesem Mangel heraus entstand die Idee, Hering nur leicht zu salzen und ihn fermentieren zu lassen.
Was damals eine Notlösung war, entwickelte sich über Generationen zu einer festen Tradition. Der spezielle Geschmack wurde nicht nur akzeptiert, sondern bewusst geschätzt. Rezepte, Rituale und feste Esszeiten entstanden rund um den Surströmming. Besonders im Norden Schwedens wurde er zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Küche.
Bis heute ist daraus eine lebendige kulinarische Tradition geblieben. In bestimmten Regionen gehört Surströmming fest zum Jahreslauf, vor allem im Spätsommer. Familien und Freunde kommen zusammen, öffnen gemeinsam die Dosen und feiern das Essen als soziales Ereignis. Für Außenstehende mag das ungewöhnlich wirken, für viele Schweden ist es jedoch ein Stück Identität und gelebte Geschichte.
🗓️ Wann isst man Surströmming in Schweden
Surströmming ist eng mit dem Spätsommer verbunden. In Schweden gibt es dafür sogar einen festen Saisonstart, die sogenannte Surströmmingspremiär. Traditionell findet sie am dritten Donnerstag im August statt. Ab diesem Tag darf der neue Jahrgang offiziell verkauft und gegessen werden. Für viele ist das ein fester Termin im Kalender.
Rund um diesen Anlass entsteht oft eine echte Sommertradition. Viele Menschen laden Freunde, Familie oder Nachbarn ein und feiern eine sogenannte Surströmmingsskiva. Dabei geht es weniger um das schnelle Essen, sondern um das gemeinsame Erlebnis. Draußen sitzen, lachen, erzählen und den intensiven Fisch mit klassischen Beilagen genießen.
Auf dem Tisch stehen meist Fladenbrot, gekochte Kartoffeln, Zwiebeln und Sauerrahm. Alles hilft dabei, den kräftigen Geschmack auszubalancieren. Die Stimmung ist locker, manchmal laut und fast immer fröhlich. Für Außenstehende wirkt das Ganze oft wie eine Mutprobe. Für die Beteiligten ist es jedoch ein geselliges Ritual, das den Sommer langsam verabschiedet und den Herbst ankündigt.
🌍 Wo du Surströmming am ehesten erlebst
Surströmming gilt besonders als nordschwedische Küstenspezialität und ist eng mit Norrland sowie den Regionen entlang der Ostsee verbunden. Vor allem im Norden Schwedens gehört er fest zur regionalen Esskultur und wird dort nicht als Kuriosität, sondern als ganz normales Traditionsgericht wahrgenommen.
In großen Städten findest du Surströmming meist in spezialisierten Feinkostläden oder in gut sortierten Supermärkten. Manchmal steht er auch auf der Karte von Restaurants, die sich auf nordische Küche oder traditionelle Gerichte konzentrieren. Dort wird er oft etwas moderner interpretiert, bleibt aber seinem ursprünglichen Charakter treu.
Am authentischsten ist Surströmming jedoch nicht im Restaurant, sondern im privaten Rahmen. Erst als Teil einer gemeinsamen Runde entfaltet er seine Bedeutung. Die Beilagen, das langsame Zusammenstellen der Bissen und das gemeinsame Reagieren auf Geruch und Geschmack gehören untrennbar dazu. Genau dieses Zusammenspiel macht ihn zu mehr als nur Fisch, sondern zu einem Erlebnis, das man am besten teilt.

🍞 So isst man Surströmming richtig, nicht als Challenge
Der Klassiker ist ein „Baukasten Prinzip“. Du kombinierst den Fisch mit neutralen, frischen und cremigen Komponenten. Das balanciert alles aus.
Typische Beilagen
- tunnbröd oder anderes dünnes Brot.
- gekochte Kartoffeln.
- fein gehackte Zwiebel.
- Sauerrahm oder Crème fraîche.
- Dill oder Schnittlauch, wenn du es frisch magst.
So baust du dir den perfekten Bissen
- Brot buttern oder mit Sauerrahm bestreichen.
- Kartoffel drauf, in Scheiben oder leicht zerdrückt.
- Zwiebel und Kräuter dazu.
- Dann erst ein kleines Stück Surströmming.
- Einmal beißen, nicht kämpfen.
Du wirst merken, dass der Geschmack deutlich runder wird, wenn du ihn so isst. Genau so wird es traditionell serviert.
🧊 Öffnen ohne Chaos, so bleibt es entspannt
Surströmming öffnet man am besten draußen. Das ist kein Scherz, sondern eine Erfahrung, die in Schweden fast jeder kennt. Der Geruch ist so intensiv, dass er sich in geschlossenen Räumen lange hält. Deshalb wird die Dose meist im Freien geöffnet, oft auf dem Balkon, im Garten oder direkt am Wasser.
Viele gehen dabei sehr vorsichtig vor. In der Dose befindet sich Flüssigkeit, und durch die laufende Fermentation kann sich spürbarer Druck aufbauen. Öffnet man sie zu schnell, kann die Lake herausspritzen und den Geruch schlagartig verteilen. Genau das will man vermeiden.
Deshalb wird die Dose oft langsam und kontrolliert geöffnet, manchmal sogar leicht unter Wasser. Das klingt ungewöhnlich, hat aber einen einfachen Zweck. Es reduziert Spritzer und dämpft den ersten Geruch. Mit etwas Ruhe und Vorbereitung wird aus dem Öffnen kein Schockmoment, sondern der erste Schritt zu einem ungewöhnlichen kulinarischen Erlebnis.
- Draußen öffnen, nicht in der Küche.
- Dose langsam anheben und mit Abstand arbeiten.
- Küchenpapier und Müllbeutel griffbereit halten.
- Danach alles kurz lüften, auch draußen am Tisch.
🍽️ Wie schmeckt Surströmming wirklich
Der Geruch ist deutlich intensiver als der Geschmack. Genau das überrascht viele beim ersten Kontakt mit Surströmming. Was in der Nase extrem wirkt, setzt sich am Gaumen oft viel differenzierter fort. Der Geschmack selbst ist salzig, sauer und fischig, dabei aber oft komplexer, als man es erwartet.
In Kombination mit Kartoffeln, Brot und Sauerrahm verändert sich der Eindruck deutlich. Die Beilagen fangen die Säure ab, mildern das Salzige und machen den Fisch insgesamt runder. Plötzlich steht nicht mehr der Schock im Vordergrund, sondern ein ausgewogenes Zusammenspiel verschiedener Aromen.
Viele vergleichen dieses Erlebnis eher mit sehr kräftigem Käse als mit rohem Fisch. Genau darin liegt der Knackpunkt. Wer nur an Geruch denkt, unterschätzt den eigentlichen Geschmack. Und genau das ist der Punkt, an dem viele beim ersten Mal überrascht werden und merken, dass Surströmming mehr Genuss als Mutprobe sein kann.

🛒 Kaufen, lagern, aufbewahren
Surströmming wird klassisch in Dosen verkauft. Da die Fermentation auch nach dem Abfüllen nicht vollständig stoppt, reift der Fisch weiter. Aus diesem Grund wird er häufig kühl gelagert, um den Prozess zu verlangsamen und den Geschmack stabil zu halten.
Nach dem Öffnen ist etwas Sorgfalt wichtig. Die Reste sollten gut verschlossen und möglichst luftdicht verpackt werden. Eine kühle Lagerung im Kühlschrank ist dabei unerlässlich. Andernfalls intensiviert sich Aroma und Geruch sehr schnell.
Wird Surströmming ungeschützt oder zu warm gelagert, kann er innerhalb kurzer Zeit überwältigend werden. Wer ihn richtig aufbewahrt, hat länger etwas davon und erlebt den Geschmack so, wie er gedacht ist. Genau diese Aufmerksamkeit im Umgang gehört zur besonderen Eigenart dieses Lebensmittels.
⚠️ Was du beim Essen beachten solltest
Surströmming ist deutlich salzig im Geschmack. Deshalb solltest du ihn eher als Teil einer Mahlzeit essen und nicht als große Portion. Er ist kein Fisch, den man pur und in Mengen genießt, sondern eine Komponente, die mit Beilagen zusammen gedacht ist.
Wenn du empfindlich auf sehr kräftige Ferment Aromen reagierst, taste dich langsam heran. Kleine Bissen mit viel Brot, Kartoffeln und Sauerrahm machen den Einstieg deutlich angenehmer. So kannst du den Geschmack kennenlernen, ohne dass er dich überfordert.
Und wenn du Surströmming zum ersten Mal probierst, tu es nicht allein. In Gesellschaft ist es entspannter und oft auch lustiger. Man lacht gemeinsam über Reaktionen, teilt Eindrücke und nimmt alles nicht zu ernst. Genau so wird aus dem ersten Probieren ein gemeinsames Erlebnis, an das man sich gern erinnert.
🌟 Warum Surströmming trotzdem Kult ist
Es ist mehr als nur Essen. Surströmming steht für Tradition, Saisongefühl und einen gemeinsamen Moment. Er wird nicht einfach nebenbei gegessen, sondern bewusst zelebriert. Genau das unterscheidet ihn von vielen anderen Lebensmitteln.
In Nordschweden gehört er für viele fest zum Spätsommer. So wie für andere das erste Grillen oder das erste Eis des Jahres, markiert Surströmming einen bestimmten Zeitpunkt. Er kündigt an, dass der Sommer langsam endet und der Herbst näher rückt.
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Diese emotionale Verbindung erklärt, warum Surströmming bis heute seinen Platz behalten hat. Trotz aller Memes, Videos und Schockreaktionen im Internet bleibt er Teil der Kultur. Wer ihn im richtigen Rahmen erlebt, versteht schnell, dass es nicht um Provokation geht, sondern um gelebte nordische Tradition.
Würdest du Surströmming mal probieren? Wir freuen uns über deine Meinung und Rezeptideen in den Kommentaren.
